Die neue KI-Phishing-Welle: 54 % Klickrate, gefälschte ELSTER-Mails – und warum Ihr Filter sie durchlässt
Phishing ist nichts Neues – aber was aktuell durch die Postfächer rollt, ist eine andere Liga. Allein in den vergangenen zwei Wochen sind uns bei betreuten Unternehmen vier solcher Phishing-Angriffe begegnet – überzeugend gemacht, technisch raffiniert und in mehreren Fällen an den Spamfiltern vorbei bis ins Postfach der Mitarbeiter.
Der Grund für diese neue Qualität ist künstliche Intelligenz. Sie macht Phishing-Mails nicht nur fehlerfrei und glaubwürdig, sondern hilft Angreifern auch aktiv dabei, Sicherheitsfilter zu überlisten. Die Zeiten holpriger Betrugsmails mit schlechtem Deutsch sind vorbei.
Was sich verändert hat
Die Zahlen sind eindeutig. Laut einer 2026 im Fachjournal Expert Systems with Applications veröffentlichten Studie erreichen KI-gestützte Spear-Phishing-Mails eine Klickrate von 54 Prozent – rund 350 Prozent mehr als klassische Phishing-Mails. Anders gesagt: Mehr als jeder zweite Empfänger klickt.
Parallel explodiert das Volumen. Der Sicherheitsdienstleister ReliaQuest beobachtete zwischen Ende 2025 und Anfang 2026 einen Anstieg der Phishing-Angriffe auf Microsoft-365-Umgebungen um 1.380 Prozent. Und Sicherheitsforscher gehen inzwischen davon aus, dass rund 83 Prozent aller Phishing-Mails KI-generiert sind. Generative KI macht es billig, jede einzelne Mail individuell, sprachlich perfekt und überzeugend zu formulieren – in beliebiger Menge.
Der Trick, mit dem sie die Filter austricksen: „Text Salting"
Besonders perfide ist eine Technik, über die aktuell unter anderem der IT-Blog borncity berichtet: das sogenannte Text Salting. Dabei streuen Angreifer unsichtbaren Text in die Mail ein – etwa mit Schriftgröße null, ausgeblendeten Bereichen oder versteckten Absätzen. Für den Menschen ist dieser Text unsichtbar, die dahinterliegenden KI- und Spamfilter lesen ihn jedoch mit.
Der Effekt: Verdächtige Schlüsselwörter wie „dringend", „Passwort abgelaufen" oder „Prämie" werden mit harmlosen, zufällig generierten Textpassagen „verwässert". Für den Filter sieht die Mail dadurch unauffällig aus – während der Empfänger nur die eigentliche, täuschend echte Betrugsnachricht zu sehen bekommt. Genau so landen heute Mails im Posteingang, die früher zuverlässig aussortiert worden wären.
Ein aktuelles Beispiel: gefälschte ELSTER-Mails
Wie konkret das wird, zeigt eine aktuelle Welle gefälschter ELSTER-Mails, vor der derzeit gewarnt wird. Angebliche Nachrichten vom Finanzamt oder vom ELSTER-Portal – oft mit dem Köder einer Steuererstattung – sollen Empfänger dazu bringen, Zugangsdaten und persönliche Informationen preiszugeben. Dank KI wirken diese Mails täuschend echt.
Für Unternehmen ist das besonders heikel: Steuerthemen betreffen jede Firma, und gerade im Umfeld von Steuerberatern und deren Mandanten ist die Hemmschwelle niedrig, auf eine vermeintliche Finanzamt-Mail zu reagieren. Ein einziger unbedachter Klick kann genügen.
Warum Filter allein nicht mehr reichen
Die wichtigste Erkenntnis aus alldem: Technische Filter sind notwendig, aber sie sind nicht mehr die alleinige Verteidigung. Wenn Angreifer gezielt daran arbeiten, genau diese Filter auszuhebeln, rückt der Mensch an die vorderste Front – der Mitarbeiter, der eine Mail öffnet und entscheidet, ob er auf einen Link klickt oder Zugangsdaten eingibt.
Sicherheit gegen modernes Phishing entsteht deshalb aus dem Zusammenspiel dreier Ebenen: geschulte Mitarbeiter, die verdächtige Nachrichten erkennen; technischer Schutz, der so viel wie möglich abfängt; und klare Abläufe, die im Ernstfall greifen.
Was Sie jetzt tun sollten
- Mitarbeiter sensibilisieren: Regelmäßige, praxisnahe Awareness-Schulungen sind heute die wirksamste einzelne Maßnahme – gerade weil KI-Mails kaum noch an Sprachfehlern zu erkennen sind.
- Über einen zweiten Kanal verifizieren: Bei Zahlungsaufforderungen, geänderten Bankdaten oder Zugangsanfragen immer per Telefon oder persönlich rückversichern – nie über die Kontaktdaten aus der verdächtigen Mail.
- Links nicht anklicken, Seiten direkt aufrufen: Offizielle Portale wie ELSTER, Microsoft 365 oder das Online-Banking immer manuell im Browser öffnen, statt Links aus E-Mails zu folgen.
- Phishing-resistente MFA einsetzen: Selbst wenn ein Passwort abgegriffen wird, verhindert eine starke Mehr-Faktor-Authentifizierung die Kontoübernahme. Warum das heute Pflicht ist, lesen Sie in unserem Beitrag Warum Multi-Faktor-Authentifizierung heute Pflicht ist.
- Meldeweg etablieren: Mitarbeiter müssen wissen, wem sie eine verdächtige Mail sofort melden – schnelles Melden begrenzt den Schaden erheblich.
- E-Mail-Schutz und Microsoft 365 richtig konfigurieren: Moderne Filter, Content-Bereinigung und saubere Einstellungen fangen einen Großteil ab. Die häufigsten Lücken zeigen wir in Microsoft 365 richtig absichern.
Unser Fazit
Dass uns allein in zwei Wochen vier solcher Fälle begegnet sind, ist kein Zufall – es ist der neue Normalzustand. KI hat Phishing schneller, überzeugender und schwerer erkennbar gemacht. Wer sich allein auf den Spamfilter verlässt, verlässt sich auf eine Verteidigung, die gezielt ausgehebelt wird.
Die gute Nachricht: Mit geschulten Mitarbeitern, sauber konfiguriertem technischem Schutz und klaren Abläufen lässt sich das Risiko drastisch senken. Sicherheit ist dabei kein einmaliges Projekt, sondern ein Zusammenspiel, das gepflegt werden will – genau dabei unterstützen wir Sie.
Machen Sie Ihr Unternehmen phishing-fest
Gegen KI-Phishing hilft kein einzelnes Werkzeug, sondern das Zusammenspiel aus Mensch, Technik und Prozess. Genau dabei unterstützen wir Sie – auf drei Ebenen:
Security-Awareness-Schulungen – damit Ihre Mitarbeiter Phishing erkennen, auch wenn es durch den Filter rutscht.
IT-Sicherheit & Beratung – eine ehrliche Standortbestimmung für E-Mail-Schutz, MFA und Abläufe.
Managed Services – technischer Rundumschutz mit E-Mail-Security, MFA und Monitoring.
Sprechen Sie mit uns: 09221/9487140 · info@sw-systeme.de · zum Kontaktformular
Quellen:
• infranken.de – „Neue Phishing-Welle zielt auf Elster-Nutzer", zum Beitrag
• borncity.com – „Phishing-Attacken: KI-Technik ‚Text Salting' überlistet Sicherheitsfilter", zum Beitrag
• boerse-express.com – „Phishing-Welle: KI-Mails erreichen 54 % Klickrate, 1.380 % mehr Angriffe", zum Beitrag
Die Beiträge wurden inhaltlich eigenständig aufbereitet und für Unternehmen in Deutschland redaktionell eingeordnet.
Fragen zu diesem Thema? Sprechen Sie uns an.
Wir beraten Sie persönlich und praxisnah – ohne Fachwörter und ohne Verkaufsdruck.